Incoterms sind Antworten aus drei Buchstaben auf zwei teure Fragen: Wer bezahlt welchen Abschnitt des Transportwegs, und wo geht die Gefahr über? Wer sie falsch liest, erlebt, wie aus dem „günstigeren“ Angebot die höchsten Einstandskosten (Landed Cost) der ganzen Kalkulation werden.

Die vier Klauseln, die Ihnen im Einkauf wirklich begegnen

EXW (Ex Works, deutsch „Ab Werk“): Sie übernehmen die Ware am Werkstor – ab dort gehören alle Kosten und Risiken Ihnen, einschließlich der Ausfuhrabfertigung. Die niedrigste Zahl im Angebot, der meiste Aufwand für Sie. FOB (Free On Board, „Frei an Bord“): Der Lieferant bringt die zur Ausfuhr abgefertigte Ware im Verschiffungshafen an Bord des Schiffs; ab dort gehört Ihnen die Seestrecke. Im Bekleidungshandel ist FOB die gängigste Klausel.

CIF (Cost, Insurance and Freight, „Kosten, Versicherung und Fracht“) schließt die Seefracht und eine Mindestversicherung bis zum Bestimmungshafen ein. Aber Vorsicht: Die Gefahr geht trotzdem schon bei der Verladung im Verschiffungshafen über – eine Feinheit, die viele erst im Schadensfall bemerken. DDP (Delivered Duty Paid, „Geliefert verzollt“): Der Lieferant liefert verzollt bis in Ihr Lager – größtmöglicher Komfort, aber kaum Einblick in die einzelnen Kostenbestandteile.

Wo die versteckten Kosten stecken

Wer einen EXW-Preis mit einem FOB-Preis vergleicht, vergleicht zwei verschiedene Leistungen: Dazwischen liegen der Lkw-Vorlauf im Lieferland, die Ausfuhrabfertigung und die Hafengebühren. DDP-Angebote bündeln Fracht, Zoll und die Gebühren des Zolldienstleisters zu den Konditionen des Verkäufers – bequem, doch Sie sehen nicht, ob jede einzelne Position angemessen ist.

Sauber vergleichen lässt sich so: Fragen Sie bei jedem Lieferanten dieselbe Klausel an – FOB Verschiffungshafen ist der gemeinsame Nenner – und lassen Sie die weiteren Strecken einmal von Ihrem eigenen Spediteur kalkulieren.

Welche Klausel in welcher Phase

Erstaufträge und kleine Marken: FOB mit einem Spediteur, den Sie selbst beauftragen, ist die ausgewogene Lösung. Der Lieferant erledigt die Formalitäten im Ursprungsland, die er kennt; Sie steuern die internationale Strecke und lernen Ihre tatsächlichen Einstandskosten kennen. DDP ist bei sehr kleinen Programmen in Paketgröße vertretbar, wenn Einfachheit mehr zählt als Kostentransparenz.

Mit wachsendem Volumen fahren Sie mit FOB und ausgehandelten Frachtverträgen meist günstiger als mit DDP-Preisen, und konsolidierte Sendungen verstärken den Vorteil: Die kategorieübergreifende Konsolidierung von SEAMDANCE gibt es auch aus diesem Grund – eine FOB-Sendung statt vier LCL-Teilsendungen.

Risiko, Versicherung und Dokumente

Gleich welche Klausel: Versichern Sie die Ware auf den Strecken, deren Risiko Sie tragen – eine Transportversicherung ist billig im Vergleich zu einem nassen Container. Klären Sie, wer welche Dokumente erstellt: Handelsrechnung, Packliste, Konnossement und, wo Zollpräferenzen greifen, Ursprungsnachweise.

Schreiben Sie Klausel, benannten Ort und Fassung in die Bestellung, etwa „FOB Xiamen, Incoterms 2020“. Der benannte Ort macht die halbe Bedeutung aus, und wo etwas unklar bleibt, beginnt der Streit.

Was sind Incoterms, wie funktionieren sie, und was regeln sie nicht?

Die Incoterms®-Regeln sind 11 Handelsklauseln aus drei Buchstaben, die die Internationale Handelskammer (ICC) für Warenkäufe zwischen Unternehmen festlegt [1]; der Name ist eine Kurzform von „International Commercial Terms“ [4]. Jede Klausel regelt drei Dinge zwischen Verkäufer und Käufer: wo geliefert wird – dort geht auch die Gefahr des Verlusts oder der Beschädigung auf den Käufer über –, welche Partei Transport, Versicherung und Zollformalitäten übernimmt und welche Kosten vor und nach diesem Lieferort auf welche Seite fallen [7].

Sie wirken durch Verweis. Eine Vertragszeile wie „FCA“ mit benanntem Ort und Jahr der Fassung bezieht den vollständigen ICC-Text ein; so lesen ein Lieferant in Xiamen und eine Marke in Manchester dieselben Pflichten aus denselben drei Buchstaben. Für genau diese gemeinsame Lesart wurden die Regeln geschaffen: Bevor die ICC 1936 die erste Fassung veröffentlichte, bedeuteten dieselben Handelsklauseln in verschiedenen Ländern Verschiedenes, was Streitigkeiten und Prozesse nach sich zog [3][4]. UNCITRAL, das Gremium der Vereinten Nationen für internationales Handelsrecht, erkennt die Regeln als weltweiten Standard für die Auslegung dieser Klauseln an [1].

Ebenso wichtig ist, was sie nicht regeln. Die Regeln sind kein Kaufvertrag und bestimmen nicht das anwendbare Recht. Sie sagen nichts zum Preis, zu Zeitpunkt, Art und Währung der Zahlung, zum Eigentumsübergang und zu Ansprüchen bei verspäteter oder mangelhafter Ware, zu höherer Gewalt, Sanktionen oder Zollsätzen [7][9]. Auch Ihren Frachtführer, Versicherer oder Ihre Bank binden sie nicht; jeder von ihnen handelt nur nach seinem eigenen Vertrag [7]. Diese Punkte gehören in den Kaufvertrag. Weil die Regeln für den Warenkauf geschrieben sind [1], sind sie nicht für Dienstleistungsverträge gedacht.

Wie viele Incoterms gibt es? Die 11 Klauseln nach Transportart

Incoterms 2020 umfasst 11 Klauseln in zwei Gruppen [1][9]. Sieben lassen sich für jede Transportart verwenden, auch für den Seetransport: EXW, FCA, CPT, CIP, DAP, DPU und DDP. DDP, DAP oder FCA können also eine Seesendung ebenso abdecken wie Luftfracht, Lkw-, Bahn- oder Kuriersendungen. Die übrigen vier sind nur für den See- und Binnenschiffstransport gedacht: FAS, FOB, CFR und CIF [5]. Für Luftfracht oder Lkw-Transporte wählen Sie aus den sieben; die Einführung der ICC hebt FOB mit einem Flughafen oder Binnenlager als benanntem Ort ausdrücklich als Fehlgriff hervor [7]. Für Containerware, die dem Frachtführer an einem Terminal übergeben wird, verweisen die Leitfäden der ICC auf FCA, CPT oder CIP statt FOB, CFR oder CIF [6][8].

Der Anfangsbuchstabe zeigt noch immer grob, wo eine Klausel übergibt. Bei E (EXW) wird die Ware zur Abholung bereitgestellt; die F-Klauseln (FCA, FAS, FOB) übergeben sie dem Transport, den der Käufer organisiert; bei den C-Klauseln (CPT, CIP, CFR, CIF) zahlt der Verkäufer den Haupttransport, während Lieferung und Gefahr dennoch im Ursprungsland übergehen; die D-Klauseln (DAP, DPU, DDP) liefern am Bestimmungsort [7]. Nur CIF und CIP verpflichten den Verkäufer, die Ware zu versichern, und nur DPU verpflichtet ihn, sie am Bestimmungsort zu entladen [2][8]. Die Ausfuhrabfertigung liegt bei allen Klauseln außer EXW beim Verkäufer; Einfuhrabfertigung und Zoll liegen bei allen außer DDP beim Käufer [5].

Übersicht der 11 Klauseln der Incoterms 2020: benannter Ort, Lieferort mit Gefahrenübergang, Zoll

Klausel und TransportartDer benannte Ort istLieferort, an dem die Gefahr auf Sie übergehtAusfuhrabfertigungEinfuhrabfertigung und Zoll
EXW Ex Works (Ab Werk) – jede Transportartder Lieferort, z. B. ein Werk oder LagerWare wird Ihnen am benannten Ort bereitgestellt, nicht auf Ihr Fahrzeug verladenSie; der Verkäufer hilft nur auf AnfrageSie
FCA Free Carrier (Frei Frachtführer) – jede Transportartder LieferortBeim Verkäufer: sobald die Ware auf Ihr Fahrzeug verladen ist. An einem anderen Ort: bei Ankunft dort auf dem Fahrzeug des Verkäufers, entladebereit und Ihrem Frachtführer zur Verfügung gestelltVerkäuferSie
CPT Carriage Paid To (Frachtfrei) – jede Transportartder Bestimmungsort, bis zu dem der Verkäufer die Fracht bezahltbei Übergabe an den vom Verkäufer beauftragten Frachtführer im UrsprungslandVerkäuferSie
CIP Carriage and Insurance Paid To (Frachtfrei versichert) – jede Transportartder Bestimmungsort, bis zu dem der Verkäufer Fracht und Versicherung bezahltbei Übergabe an den vom Verkäufer beauftragten Frachtführer im UrsprungslandVerkäuferSie
DAP Delivered at Place (Geliefert benannter Ort) – jede Transportartder Bestimmungsort, zugleich der Lieferortam benannten Bestimmungsort, auf dem ankommenden Fahrzeug, entladebereitVerkäuferSie
DPU Delivered at Place Unloaded (Geliefert benannter Ort entladen) – jede Transportartder Bestimmungsort, zugleich der Lieferortam benannten Bestimmungsort, sobald der Verkäufer die Ware entladen hatVerkäuferSie
DDP Delivered Duty Paid (Geliefert verzollt) – jede Transportartder Bestimmungsort, zugleich der Lieferortam benannten Bestimmungsort, zur Einfuhr abgefertigt, auf dem ankommenden Fahrzeug entladebereitVerkäuferVerkäufer, einschließlich Zoll und Einfuhrsteuern
FAS Free Alongside Ship (Frei Längsseite Schiff) – nur See- und Binnenschiffstransportder Verschiffungshafenlängsseits des von Ihnen benannten Schiffs, z. B. am Kai oder auf einem LeichterVerkäuferSie
FOB Free On Board (Frei an Bord) – nur See- und Binnenschiffstransportder Verschiffungshafenan Bord des von Ihnen benannten SchiffsVerkäuferSie
CFR Cost and Freight (Kosten und Fracht) – nur See- und Binnenschiffstransportder Bestimmungshafen, bis zu dem der Verkäufer die Fracht bezahltan Bord des Schiffs im VerschiffungshafenVerkäuferSie
CIF Cost, Insurance and Freight (Kosten, Versicherung und Fracht) – nur See- und Binnenschiffstransportder Bestimmungshafen, bis zu dem der Verkäufer Fracht und Versicherung bezahltan Bord des Schiffs im VerschiffungshafenVerkäuferSie

Incoterms 2000, 2010 und 2020: Was hat sich geändert, und gibt es Incoterms 2026?

Nach der Erstfassung von 1936, die sechs Klauseln für den Seehandel enthielt, überarbeitete die ICC die Regeln mehrfach – als Bahn-, Luft- und Containerverkehr zunahmen und elektronische Nachrichten aufkamen [3]. Die drei jüngsten Fassungen erschienen im Abstand von jeweils zehn Jahren. Incoterms 2010 trat am 1. Januar 2011 in Kraft und verringerte die Zahl der Klauseln von 13 auf 11 [4]; Incoterms 2020 gilt seit dem 1. Januar 2020 [1]. Jede Überarbeitung folgt der Handelspraxis: Die Fassung 2010 griff Frachtsicherheit und elektronische Kommunikation auf [4], und die ICC stellt die Fassung 2020 als Antwort auf den veränderten Welthandel dar [3].

Die Incoterms-Seiten der ICC führen Incoterms 2020 weiterhin als neueste Fassung und nennen keine spätere (Stand: 22. September 2026); „Incoterms 2026“ ist also kein Text der ICC [1][2]. Die ICC warnt, dass Incoterms-Material, das nicht von ihr oder ihren Nationalkomitees stammt, fehlerhaft sein kann [3]. Ein Vertrag kann weiterhin eine ältere Fassung wie Incoterms 2010 nennen, wenn beide Parteien das vereinbaren und die Dokumente es ausweisen [9]; fehlt das Jahr, muss unter Umständen ein Richter oder Schiedsgericht klären, welche Fassung gilt [7].

Was die jüngsten Fassungen geändert haben

FassungWichtigste ÄnderungWas das für Bekleidungseinkäufer bedeutet
Incoterms 2000Die Regelungen zur Zollabfertigung in FAS und DEQ wurden daran angepasst, wie Zollbehörden Exporteure und Importeure behandeln [3]Alte Vorlagen nennen womöglich noch DEQ, eine Klausel, die es nicht mehr gibt
Incoterms 2010DAF, DES, DEQ und DDU wurden durch DAT und DAP ersetzt, und die Klauseln wurden nach Transportart neu gruppiert [3][7]Ein Angebot, das noch DDU verwendet, stützt sich auf eine 2010 gestrichene Klausel; vereinbaren Sie schriftlich, welche aktuelle Klausel gilt
Incoterms 2020: FCADie Parteien können vereinbaren, dass der Frachtführer des Käufers dem Verkäufer ein Bordkonnossement ausstellt [2]Containersendungen können auf FCA umgestellt werden, auch wenn ein Akkreditiv ein Bordkonnossement verlangt [6]
Incoterms 2020: VersicherungCIF behält die eingeschränkten Institute Cargo Clauses (C) als Mindestdeckung; CIP verlangt jetzt die umfassendere Deckung nach Klauseln (A) [2]Prüfen Sie bei CIF, ob die Mindestdeckung für eine Bekleidungssendung reicht; eine höhere Deckung lässt sich vereinbaren
Incoterms 2020: aus DAT wird DPUDAT heißt jetzt DPU: Der Bestimmungsort muss kein Terminal sein, und der Verkäufer entlädt [2]Wählen Sie DPU nur, wenn der Verkäufer an Ihrem Standort tatsächlich entladen kann [7]
Incoterms 2020: Kosten und SicherheitJede Klausel listet alle Kosten in den Artikeln A9/B9 auf, und die sicherheitsbezogenen Pflichten stehen jetzt in A4 und A7 [2]Ein einziger Artikel je Klausel zeigt alle Kosten, die jede Seite trägt

Sind Incoterms rechtlich bindend, und worin unterscheiden sie sich von Fracht- und Zahlungsbedingungen?

Eine Incoterms-Klausel bindet Käufer und Verkäufer, sobald ihr Kaufvertrag sie einbezieht; für sich genommen ist sie eine Regel der ICC, nicht das Recht, dem der Vertrag unterliegt – das kann das UN-Kaufrecht (CISG) oder ein nationales Recht sein [7]. Eine Klausel zu verwenden ist freiwillig; ohne sie muss der Vertrag Lieferung und Gefahrenübergang aber selbst und sorgfältig regeln [8]. Eine Klausel lässt sich vertraglich auch abwandeln. Die ICC verbietet das nicht, erwartet aber, dass die Parteien genau festhalten, was die Änderung bewirkt – auch, ob mit einer verschobenen Kostenposition zugleich Lieferort und Gefahrenübergang wandern [7]. Wo eine Klausel etwa bei Terminal- oder Entladekosten zu allgemein bleibt, empfiehlt die Checkliste der ICC eine ausdrückliche Formulierung [6]. Dies ist eine allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

So geben Sie eine Klausel an: Klausel, benannter Hafen, Ort oder Punkt und Fassung, zum Beispiel „FCA (Adresse des Konsolidierungslagers), Xiamen, China, Incoterms® 2020“; im Vertrag ist das ®-Zeichen nicht nötig [7]. Bei E-, F- und D-Klauseln bestimmt der benannte Ort Lieferung und Gefahrenübergang, bei C-Klauseln dagegen nur den Bestimmungsort, bis zu dem der Verkäufer den Transport bezahlt [7]. Dieselbe Formulierung eignet sich für Inlandsgeschäfte, denn die ICC beschreibt die Regeln als Standards für nationale wie internationale Verträge [1]. Andere Angaben auf derselben Bestellung beantworten andere Fragen:

Incoterms-Klausel und andere Angaben auf einer Bestellung

Angabe in den PapierenWas sie regeltWas sie nicht regelt
Incoterms-Klausel, z. B. FCA Xiamen Incoterms® 2020Lieferort, Gefahrenübergang, wer Transport, Versicherung und Zoll organisiert und wer welche Kosten trägt [7]Preis, Zahlung, Eigentum oder Ansprüche bei Vertragsverletzung [7][9]
Frachtvermerke: prepaid (vom Versender bezahlt), collect (vom Empfänger zu zahlen), prepaid and addWer die Rechnung des Frachtführers wann bezahlt; „prepaid and add“ heißt in der Regel, dass der Versender zahlt und Ihnen die Fracht weiterberechnetWo die Gefahr zwischen Verkäufer und Käufer übergeht oder wer verzollt; der Frachtführer ist an Ihre Incoterms-Klausel nicht gebunden [7]
Klauseln des US Uniform Commercial Code, z. B. F.O.B. place of destinationLieferung nach dem Recht der US-Bundesstaaten; dieses F.O.B. belässt Kosten und Gefahr beim Verkäufer, bis er die Ware am Bestimmungsort andient [10]Die ICC-Bedeutung: FOB nach den Incoterms gilt für Seesendungen, die Gefahr geht an Bord im Verschiffungshafen über [8]
Zahlungsbedingungen: Anzahlung und Restzahlung, Akkreditiv, offene RechnungWann, wie und in welcher Währung Sie zahlenLieferung oder Gefahrenübergang; eine Bank prüft beim Akkreditiv nur die darin verlangten Dokumente [7]
Eigentumsklausel, z. B. Eigentumsvorbehalt bis zur vollständigen ZahlungWann die Ware Ihr Eigentum wirdDie Verlustgefahr – sie richtet sich stattdessen nach dem Lieferort der Incoterms-Klausel [7]

So wählen Sie als Bekleidungseinkäufer die passende Incoterms-Klausel

Keine Klausel ist für jeden Auftrag die beste. Die Checkliste der ICC lässt Sie abwägen: Verhandlungsmacht, wer den Transport günstiger einkaufen kann, wo jede Seite den Gefahrenübergang haben möchte und wer Zollformalitäten in einem anderen Land erledigen kann [6]. Suchen Sie die Zeile, die Ihrer Lage am nächsten kommt; mehrere können zugleich zutreffen.

Klauselwahl: Ihre Ausgangslage und was Sie prüfen sollten

Ihre AusgangslageKlauseln in der engeren WahlWas Sie prüfen sollten
Sie können die Einfuhrverzollung noch nicht selbst abwickelnDDPDer Verkäufer übernimmt dann Einfuhrabfertigung und Zoll [5]; die ICC warnt, dass das für einen ausländischen Verkäufer schwierig sein kann – klären Sie also, wer Importeur (Anmelder) ist und wer die Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) oder GST als Vorsteuer abziehen kann [6][7]
Sie können verzollen, möchten das Transportrisiko aber beim Verkäufer lassenDAP oder DPU, wenn der Verkäufer an Ihrem Standort entladen kannBenennen Sie den genauen Lieferpunkt, etwa Ihre Laderampe, denn dort enden Gefahr und Kosten des Verkäufers [7]
Sie wollen Frachtkosten und Route selbst steuernFCA für Container, Sammelgut oder Luftfracht; FOB nur, wenn der Lieferant an Bord verlädtSie buchen den Haupttransport und tragen das Transportrisiko ab dem Ursprungsort – versichern Sie diese Strecke [6][8]
Der Lieferant kauft Fracht günstiger ein als Sie, und Sie können verzollenCPT oder CIP; CFR oder CIF nur von Hafen zu Hafen auf SeeDie Gefahr geht im Ursprungsland über, obwohl der Verkäufer die Fracht bezahlt; CIP enthält eine Deckung nach Klauseln (A), CIF nur nach Klauseln (C) [2][8]
Liquidität: Sie zahlen Fracht und Zoll lieber getrennt, wenn sie fällig werdenFCA oder FOBDer Preis des Lieferanten enthält dann keine Hauptfracht; bei C- und D-Klauseln zahlt der Verkäufer diese Kosten, holt sie über den Stückpreis wieder herein und kann an ihrer Organisation mitverdienen [6]
Sie holen die Ware selbst beim Werk abFCA beim Verkäufer statt EXWBei EXW verladen Sie selbst und erledigen die Ausfuhrabfertigung; bei FCA belädt der Verkäufer Ihr Fahrzeug und fertigt zur Ausfuhr ab [5][8]

Was ist in welchem Incoterms-Preis enthalten?

Angebote verwenden die drei Buchstaben als Kürzel dafür, was ein Preis abdeckt, obwohl die ICC betont, dass die Regeln vor allem Pflichten und den Gefahrenübergang festlegen und keine Preisformeln sind [7]. Kosten vor dem Lieferort trägt der Verkäufer, Kosten danach der Käufer – mit der Ausnahme, dass der Verkäufer bei den C-Klauseln zusätzlich den Haupttransport und bei CIF und CIP die Versicherung bezahlt [7]. Frachtraten oder Zollsätze unterstellt die Tabelle nicht; lesen Sie die letzte Spalte als Liste dessen, was Sie bei jedem Angebot noch selbst einkaufen müssen.

Kostenübersicht: was ein Angebotspreis je Klausel abdeckt

PreisbasisIm Preis des Lieferanten enthaltenBleibt bei Ihnen
EXW-PreisWare zur Abholung am benannten Ort bereitgestelltVerladen, Ausfuhrabfertigung, gesamte Fracht und Versicherung, Einfuhrabfertigung, Zoll und Steuern
FCA-PreisWare am benannten Ort Ihrem Frachtführer übergeben, zur Ausfuhr abgefertigtHauptfracht, Versicherung, Kosten am Bestimmungsort, Einfuhrabfertigung, Zoll und Steuern
FOB-PreisWare an Bord des von Ihnen benannten Schiffs verladen, zur Ausfuhr abgefertigtSeefracht, Versicherung, Kosten am Bestimmungsort, Einfuhrabfertigung, Zoll und Steuern
CFR- oder CPT-PreisWare plus Transport durch den Verkäufer bis zum benannten BestimmungsortTransportversicherung (die Gefahr liegt ab dem Ursprungsort bei Ihnen), Einfuhrabfertigung, Zoll, Steuern und etwaige Kosten am Bestimmungsort, die der Frachtvertrag des Verkäufers nicht abdeckt [8]
CIF- oder CIP-PreisWie bei CFR oder CPT, zuzüglich der Transportversicherung des Verkäufers [2]Einfuhrabfertigung, Zoll und Steuern sowie jede Deckung über das CIF-Minimum hinaus
DAP- oder DPU-PreisWare bis zu Ihrem benannten Bestimmungsort befördert, bei DPU auch entladenEinfuhrabfertigung, Zoll und Steuern; bei DAP zusätzlich das Entladen
DDP-PreisWare an Ihren Bestimmungsort geliefert, zur Einfuhr abgefertigt, Zoll und Einfuhrsteuern bezahlt [5]Entladen, sofern nicht anders vereinbart, und alles nach der Lieferung

Kurze Antworten

Was sind Incoterms, einfach erklärt, und warum gibt es sie?

Incoterms® sind Lieferklauseln der Internationalen Handelskammer (ICC) für Warenkäufe zwischen Unternehmen; die Fassung Incoterms 2020 umfasst elf davon [1]. Jede Klausel legt fest, wo geliefert wird und die Gefahr übergeht, wer Transport, Versicherung und Zoll übernimmt und wer welche Kosten trägt [7]. Es gibt sie, weil dieselben Handelsklauseln früher von Land zu Land anders ausgelegt wurden und Streit auslösten [3][4]; wichtig sind sie, da sie teure Missverständnisse vermeiden [1]. Der Name (International Commercial Terms) bleibt auf Deutsch gleich, die Klauseln heißen etwa „Ab Werk“ (EXW) oder „Geliefert verzollt“ (DDP) [4][11].

Wie viele Incoterms gibt es, und welche passen für Seefracht, Luftfracht oder Lkw?

Es gibt elf Klauseln: So viele enthält die Fassung Incoterms 2020, die auch 2024 und 2026 gilt (Stand: 22. September 2026) [1]. Sieben passen für jede Transportart, also auch für Luftfracht, Lkw, Bahn oder Kurier: EXW, FCA, CPT, CIP, DAP, DPU und DDP [5]. Nur für den See- und Binnenschiffstransport gedacht sind FAS, FOB, CFR und CIF [5][7]. Für Seefracht kommen damit alle elf infrage; bei Containern, die am Terminal übergeben werden, rät die ICC jedoch zu FCA, CPT oder CIP statt FOB, CFR oder CIF [6][8].

Was bedeuten EXW und FCA, und welche Klausel passt bei Abholung ab Werk?

EXW (Ab Werk) gilt als Abholklausel: Der Lieferant stellt die Ware am benannten Ort, etwa seinem Werk, unverladen bereit; Verladen, Ausfuhrabfertigung und Transport übernehmen Sie [8][11]. Holen Sie selbst ab, können die Ausfuhr im Lieferland aber nicht erledigen, ist FCA (Frei Frachtführer) beim Lieferanten meist die bessere Wahl: Er belädt Ihr Fahrzeug und fertigt zur Ausfuhr ab [5][8]. An einem anderen benannten Ort stellt er die Ware Ihrem Frachtführer entladebereit zur Verfügung [8]. FCA ist damit keine Alternative zu den Incoterms, sondern selbst eine der elf Klauseln [1][11].

Was bedeuten CPT, CIP, CFR und CIF, und was sind Zweipunktklauseln?

Bei diesen vier C-Klauseln zahlt der Verkäufer den Haupttransport bis zum benannten Bestimmungsort, doch die Gefahr geht schon im Versandland über [7][11]: bei CPT (Frachtfrei) und CIP (Frachtfrei versichert) mit Übergabe an den Frachtführer, bei CFR (Kosten und Fracht) und CIF (Kosten, Versicherung und Fracht) an Bord im Verschiffungshafen [8]. Weil Lieferort und Bestimmungsort hier nie zusammenfallen [7], heißen sie Zweipunktklauseln. Nur CIP (Klauseln A) und CIF (mindestens Klauseln C) verpflichten den Verkäufer zur Versicherung [2][8]; bei den übrigen Klauseln versichern Sie Ihre Risikostrecken selbst.

Kostenverteilung und Gefahrenübergang: Wer zahlt bei den Incoterms was?

Grundregel: Am Lieferort geht die Gefahr auf den Käufer über, und dort liegt auch der Kostenübergang – davor trägt der Verkäufer die Kosten, danach der Käufer [7]. Ausnahme sind die C-Klauseln, bei denen der Verkäufer zusätzlich den Haupttransport und bei CIF und CIP die Versicherung bezahlt [7]. Die Ausfuhrabfertigung übernimmt bei allen Klauseln außer EXW der Verkäufer, Einfuhrabfertigung und Zoll bei allen außer DDP der Käufer [5]. Entladen am Bestimmungsort muss der Verkäufer nur bei DPU; bei DAP und DDP ist das Ihre Sache, sofern nichts anderes vereinbart ist [2][8].

Welche Incoterms-Klausel ist die beste für Käufer, für Verkäufer und für den ersten Auftrag?

Die eine beste Klausel gibt es nicht. EXW und DDP bilden die Extreme: Bei EXW hat der Verkäufer am wenigsten zu tun und der Käufer am meisten, bei DDP übernimmt der Verkäufer Lieferung, Einfuhrabfertigung und Zoll [5][7]. Die ICC rät Verkäufern im Auslandsgeschäft zu FCA statt EXW und zu DAP oder DPU statt DDP; entscheidend sind Verhandlungsmacht, Frachteinkauf und Risikobereitschaft [6][7]. Im Bekleidungshandel ist FOB die gängigste Klausel, und für den ersten Auftrag ist FOB Verschiffungshafen mit eigenem Spediteur meist die ausgewogene Wahl: faire Arbeitsteilung, transparente Kosten.

Welche Incoterms sind aktuell, gibt es Incoterms 2026, und wie oft werden sie überarbeitet?

Aktuell ist Incoterms 2020, in Kraft seit dem 1. Januar 2020; eine neuere Fassung nennt die ICC nicht (Stand: 22. September 2026), „Incoterms 2026“ ist kein ICC-Text [1][2]. Das Arbeitsprogramm der ICC für 2026 sieht vor, die Überarbeitung zu beginnen und die Grundlagen für Incoterms® 2030 zu legen [13]. Die erste Fassung erschien 1936; zuletzt folgten neue Fassungen im Zehnjahresrhythmus: 1990, 2000, 2010 und 2020 [3][11]. Incoterms 2010 (ab 1. Januar 2011) reduzierte die Klauseln von 13 auf 11 [4]. Ältere Fassungen bleiben nutzbar, wenn der Vertrag sie nennt [9].

Wie werden Incoterms Teil des Kaufvertrags, und wie schreibt man sie richtig?

Durch ausdrückliche Vereinbarung: Nennen Sie im Vertrag Klausel, benannten Ort und Fassung, etwa „FCA (Adresse), Xiamen, China, Incoterms® 2020“; das ®-Zeichen ist dort nicht nötig [7]. Erst dann binden die Regeln, und zwar als Vertragsklauseln; das anwendbare Recht, etwa das UN-Kaufrecht (CISG), bestimmen sie nicht [7]. Abweichungen sind möglich, wenn der Vertrag genau sagt, was sie ändern [7]. Geschrieben wird Incoterms® mit großem I und Schluss-s; „Incoterm“ oder „incoterms“ ist nach der Markenrichtlinie der ICC falsch, eine einzelne Klausel heißt „Incoterms®-Regel“ oder „Incoterms®-Klausel“ [11][12].

Was regeln Incoterms nicht, und gelten sie für Dienstleistungen, Software oder im Inland?

Zahlungsbedingungen (Payment Terms), Preis und Eigentumsübergang regeln sie nicht: Wann, wie und in welcher Währung Sie zahlen und wann Ihnen die Ware gehört, vereinbaren Sie im Kaufvertrag [7][9]; Gefahr und Eigentum können daher getrennt übergehen. Die Regeln sind für den Warenkauf geschrieben [1], nicht für Dienstleistungen, und Rechte des geistigen Eigentums klammern sie aus [7] – für eine reine Softwarelizenz taugen sie also nicht. Im Inland sind sie dagegen nutzbar: Die ICC sieht sie für nationale wie internationale Verträge vor [1], und EXW eignet sich vor allem für Inlandsgeschäfte [6].

Welche Incoterms sind „prepaid“ oder „collect“, und welche Klausel heißt „frei Haus“?

Keine: Prepaid (vom Versender bezahlt) und collect (vom Empfänger zu zahlen) sind Frachtvermerke, die nur regeln, wer den Frachtführer wann bezahlt; an Ihre Incoterms-Klausel ist er nicht gebunden [7]. Zahlt laut Klausel der Käufer den Haupttransport (EXW, FCA, FAS, FOB), passt collect; zahlt ihn der Verkäufer (C- und D-Klauseln), passt prepaid [7]. Auch „frei Haus“ ist keine der elf Klauseln [1][11]. Für Lieferung bis zu Ihnen passen DAP (Geliefert benannter Ort), DPU (Geliefert benannter Ort entladen) oder, mit Zoll und Einfuhrsteuern, DDP (Geliefert verzollt) [5][11].

Was kostet Versand mit DDP, etwa in die Schweiz, und ist die Lieferung dann kostenlos?

Einen Pauschalpreis gibt es nicht: Ein DDP-Preis umfasst Ware, Transport bis zum benannten Ort, Aus- und Einfuhrabfertigung, Zoll und Einfuhrsteuern [5]. Kostenlos ist die Lieferung also nicht – bei C- und D-Klauseln holt der Verkäufer diese Kosten über den Stückpreis herein [6]. In der Schweiz erhebt das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) die Einfuhrsteuer auf alle eingeführten Waren [14]; etwaige Zölle und Abgaben je Tarifnummer zeigt der Zolltarif Tares (Stand: 22. September 2026) [15]. Klären Sie, wer Importeur ist und die Einfuhrsteuer als Vorsteuer abziehen kann [6][7].

Wickelt SEAMDANCE die Logistik unter jeder Klausel ab?

Programme laufen meist FOB mit Konsolidierung im Ursprungsland; andere Klauseln werden im Einzelfall angeboten. In jedem Fall wird der Versandplan – ausgerichtet auf das bestätigte Versanddatum – als Teil des Programms koordiniert, statt ab Werkstor zu Ihrem Problem zu werden.

Quellen

  1. Incoterms® rules — International Chamber of Commerce
  2. ICC — Incoterms® 2020 (key changes: FCA on-board bills of lading, costs in A9/B9, CIF vs CIP insurance cover, DAT renamed DPU)
  3. ICC — Incoterms® rules history (1936 first edition, later revisions, 2000 and 2010 changes, warning on unofficial sources)
  4. ICC — Incoterms® 2010: Revised trade rules for an inter-connected world (meaning of the name, why the rules were created, 13 to 11 rules, 2011 start date)
  5. ICC — Using the Incoterms® 2020 rules to manage tariff risk, guidance note, April 2025 (rules by transport mode; who clears export and import; who pays duty)
  6. ICC — Incoterms® 2020 Checklist and Flowcharts: how to choose the right rule (buyer and seller decision logic; EXW for domestic sales; FCA for containers)
  7. ICC Digital Library — Introduction to Incoterms® 2020 (what the rules do and do not cover, incorporation wording, variants, delivery points by rule family)
  8. ICC Academy — Place of delivery and risk transfer in international trade contracts (delivery and risk point of each Incoterms® 2020 rule)
  9. International Trade Administration (trade.gov) — Know Your Incoterms (11 rules by mode; older editions usable if named; what Incoterms do not cover)
  10. New York State Senate — Uniform Commercial Code § 2-319, F.O.B. and F.A.S. terms (US statutory F.O.B. meanings)
  11. ICC Germany (Nationalkomitee der ICC) — Die Incoterms® 2020 als Übersicht: deutsche Bezeichnungen der elf Klauseln (z. B. EXW „Ab Werk“, FCA „Frei Frachtführer“, DDP „Geliefert verzollt“), EXW als Abholklausel, Anpassung im 10-Jahres-Rhythmus
  12. ICC — Incoterms® rules trademark and copyright policy (Schreibweise Incoterms® oder INCOTERMS® mit großem I und Schluss-s, nicht „incoterms“ oder „Incoterm“; „an Incoterms® Rule“)
  13. ICC — Global Policy Commissions Workplan 2026 (Commercial law and practice: Beginn der Überarbeitung der Incoterms®-Regeln als Grundlage für Incoterms® 2030)
  14. Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) — Einfuhrsteuer: Steuerobjekt und Steuersätze (Einfuhrsteuer auf allen importierten Waren, unabhängig vom Wert der Sendung)
  15. Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) — Applikation Tares (Schweizer Gebrauchstarif: Zollansätze und andere Abgaben wie die MWST je achtstelliger Tarifnummer)
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